Dennis Marschalls Ziel für die Zukunft ist weiter klar

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Wenn man als Rennfahrer um Mitternacht angerufen wird, kann das meist nur eines bedeuten: Es wird irgendwo Ersatz gesucht. So erging es mir Mitte Oktober. Ich sollte für das Team WRT bei den 24 Stunden von Spa als Ersatzfahrer antreten. Sieben Stunden nach dem Telefonat wurde ich allerdings schon in Belgien erwartet. Also Tasche packen, ab ins Auto und los. Um elf Uhr saß ich bereits im Audi R8. Gemeinsam mit DTM-Profi Ferdinand von Habsburg und dem erfahrenen Langstrecken-Piloten Matthieu Vaxivière ging es im Wechsel gegen 60 andere GT3-Autos über die Ardennen-Achterbahn. Teilweise im Nieselregen – und mit Slicks. Am Ende sprang für unser Trio Platz 14 raus. Nicht ganz das anvisierte Ziel, aber bei der Nachbetrachtung wurde ein technischer Defekt entdeckt. So bin ich mit meinem ersten Job als Profi-Rennfahrer durchaus zufrieden.

Dennis Marschalls Ziel für die Zukunft ist weiter klar


Und zufrieden ist auch das Wort, das für mich diese von der Corona-Pandemie beeinflusste Saison 2020 und mein zweites Jahr bei Rutronik Racing in den ADAC GT Masters beschreibt. Ziel waren die Top drei in der Junior-Wertung plus ein paar Highlights. Und so kam es auch:
Dabei verlief der Saisonstart auf dem Lausitzring holprig. Nach der langen Pause war mehr als Platz zwölf in der Qualifikation nicht drin. In beiden Rennen kam es noch dicker. Zwei Ausfälle für meine Teamkollegin Carrie Schreiner, die ich sehr schätze, und mich bedeuteten: Schnell einen Haken dransetzen und weiter geht’s.


Und das zeigte Wirkung: Auf dem Nürburgring brachte ich unseren Audi R8 auf Platz vier in der Qualifikation, das Rennen beendeten wir auf Rang acht – das erste Junior-Podium war gesichert. Nächster Halt: mein Heim-Rennen am Hockenheimring. Wie im Vorjahr sicherte ich mir die Pole-Position. Ein unglaubliches Gefühl. Beim Start behielt ich die Führung, aber auf der langen Parabolika in Richtung Spitzkehre hatte der SSR Champion Porsche mehr Drehmoment auf Lager. Carrie brachte das Auto dann nach dem Fahrerwechsel auf Platz zehn über die Ziellinie, wieder landeten wir auf dem Junior-Podium. Im zweiten Rennen in Hockenheim bestätigte ich meine gute Form, übernahm das Auto auf Position 30 und raste noch bis auf Platz 17 vor.
Zwei Wochen später auf dem Sachsenring schnappte ich mir erneut die Pole Position – mit zwei Zehntel Vorsprung. Nach Platz acht im Rennen landeten Carrie und ich erneut auf dem Junior-Podium. Auf der für den Audi nicht optimalen Strecke am Red Bull Ring in Österreich wurde ich in der Qualifikation Fünfter – vor allen Werkspiloten. Durch einen Fehler beim Start war aber mehr als Rang 14 im Rennen nicht drin.


Die letzten beiden Wochenenden der Saison waren extrem abwechslungsreich. Meine Teamkollegin wurde krankheitsbedingt durch Hamza Owega ersetzt. Das erste Rennen schnappten wir uns Rang sieben, an Tag zwei machte uns ein Bremsdefekt einen Strich durch die Rechnung. Beim Finale in Oschersleben schaffte ich es wegen einer Unterbrechung im Zeitfahren nur auf Platz 13, im Rennen kassierten Carrie und ich eine Durchfahrtsstrafe und wurden Letzter. Ein gebrauchter erster Tag. Sonntags flog Carrie im Qualifying ab, im Rennen arbeiteten wir uns auf Platz 19 vor. Das gab nochmal wichtige Zähler für die Junior-Wertung: Im Abschluss-Klassement waren es gerade mal noch 4,5 Punkte Vorsprung auf Rang vier.


Wenn ich auf die vergangenen Jahre im Tourenwagensport insgesamt zurückblicke, erkenne ich eine deutliche Entwicklung. Und diese macht mich stolz. Von der Vize-Meisterschaft im Audi Sport TT Cup 2016 über meine ersten GT-Masters-Jahre bei Aust Motorsport und als
BMW-Junior bei Schnitzer mit Abstechern in die Langstrecken-Meisterschaft VLN bis zu den beiden Saisons bei Rutronik Racing geht es konstant bergauf. Und natürlich sehe ich noch Entwicklungspotential. Das Ziel für die Zukunft ist weiter klar: ein Vertrag als Profi.